Handout – Bindung in der frühen Kindheit

  Liebe Eltern,

  Am 26.01.17 fand der Elternnachmittag zum Thema „Bindung in der frühen Kindheit“ statt, an dem Sie zahlreich erschienen sind. Wir sprachen darüber was sichere Bindung zwischen Eltern und ihrem Kind ist und wie diese die Entwicklung, insbesondere in den drei ersten Lebensjahren, in allen Bereichen prägt.

Bindung Plakat

  Hier nun eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

  Was ist Bindung?

bindung def

  So definierte der Begründer der Bindungstheorie, John Bowlby, das Phänomen „Bindung“. Das Baby bringt von Geburt an die Anlage mit, sich an Personen zu binden, die sich regelmäßig und liebevoll um es kümmern und es bei der Endeckung seiner Welt unterstützen. Diese Menschen werden zur wichtigsten Ressource des Kindes. Es fühlt sich bei ihnen sicher und geborgen, weil es weiß, dass es von ihnen umsorgt wird. Bei Kummer wird es getröstet und es kann auch seine Freude mit ihnen teilen. Diese emotionale Sicherheit, die das Kind verspürt, ist die beste Grundlage für gelingende Bildungsprozesse, für ein positives Selbstbild, sowie für die Entwicklung von sozialen Kompetenzen.

Häufig wird die Metapher eines unsichtbaren Bandes genutzt, um die Qualität der Bindung darzustellen:

Bildergebnis für tauziehen eltern kind

  Umso sicher, angenommen & geborgen sich ein Kind bei seiner Bindungsperson fühlt, desto dicker und reißfester wird das „Band“ zwischen ihnen, etwa wie ein dickes Tau, das auch mal Belastungen und stressige Tage unversehrt übersteht. Dann spricht man von „sicherer Bindung“.

Seit den 50er Jahren wird das Thema „Bindung“ intensiv erforscht. Einige spannende Punkte:

Die Bindungspyramide:

pyramide

  Das Kind entwickelt meist während seines 1. Lebensjahres eine Art „Rangfolge“ zwischen den Personen, die sich regelmäßig und liebevoll um es kümmern. Das Kind entscheidet selbst (unbewusst natürlich) wie diese „Rangfolge“ aussieht und manchmal sind die Unterschiede nur klein. Das hängt davon ab, wer das Kind am häufigsten betreut und am feinfühligsten ist. Die „primäre Bindungsperson“ wird hierbei am sehnsüchtigsten herbei gesehnt, wenn das Kind Trost braucht, sich unwohl oder krank fühlt, oder sonst irgendwie Stress verspürt. Bei einem kleinen Aua kann die Betreuerin in der Krippe ihr Kind z.B. meist ganz gut beruhigen. Ist ihr Kind aber richtig krank oder traurig, weint es meist nach Mama/Papa.

  Das kindliche „Bindungssystem“ ist nämlich nur bei belastendem Stress aktiviert. Das Pendant dazu ist das „Explorationssystem“, also wenn das Kind spielt und seine Welt erkundet. Immer nur eines der Systeme ist jeweils aktiv, wie bei einer Waage:

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  Mit circa einem Jahr hat das Kleinkind viele Erfahrungen mit seinen Bindungspersonen gemacht und erkennt wiederkehrende Situationen und die Reaktion der Bindungsperson auf diese. Es erkennt also wiederkehrende Muster und diese prägen sein „inneres Arbeitsmodell“. In dieser inneren Vorstelleung erlebt sich das Kind als liebenswert oder als lästig, als selbstbewusst oder verschüchtert etc.

https://2.bp.blogspot.com/-vsM0PFYAt00/V0n1d8YXbaI/AAAAAAAANho/G4PIRnqe40U8UxnIZ3mGl8bK9QUXMZ-5ACLcB/s640/Internal%2BWorking%2BModel%2Btrim.jpg Die „sichere Bindung“ ihres Kindes zu Ihnen ermöglicht Ihrem Kind:

  •  sich sicher und geborgen zu fühlen. Dies ist die Grundlage für gelingendes „Explorationsverhalten“ – also wenn ihr Kind spielt und seine Welt erkundet.
  • gelingendes Lernen. Ihr Kind verarbeitet ständig neue Reize. Nur ein entspanntes Kind kann diese große Leistung bringen.
  •  soziale Kompetenzen zu entwickeln. Kinder lernen von ihren Vorbildern, wie sie sich gegenüber anderen verhalten.
  • Trennungen von ein paar Stunden gut zu meistern (z.B. in der KiTa). Voraussetzung ist, dass das Kind die betreuende Person kennt und ihr vertraut!
  •  sich bei Stress schnell zu beruhigen.

… und vieles mehr.

Sichere Bindung gelingt durch feinfühliges Verhalten:

„Optimal feinfühlige Eltern..
  • sind aufmerksam gegen über den Signalen des Babys
  •  interpretieren seine Signale richtig
  • reagieren auf diese prompt und angemessen“
 
(Ainsworth, Blehar, Waters & Wall, 1978)
 

  Dabei geht es nicht darum perfekt zu sein, sondern darum, überwiegend feinfühlig zu handeln. Ein kleines Baby kann z.B. noch nicht lange auf sein Essen warten. Ein Dreijähriger dafür schon ein bisschen länger.

  Feinfühligkeit bedeuted herzlich und freundlich mit dem Kind umzugehen. Sucht das Kind aktiv nach Grenzen (z.B. durch austesten) kann feinfühliges Verhalten auch mal ein klares „Nein“ bedeuten.

 

  Noch mehr Infos z.B. von Prof. Brisch (bei dem ich Weiterbildungen zum Thema „Bindung“ machte, ich kann ihn also guten Gewissens empfehlen):

http://www.spielundzukunft.de/kinderzeit/bindung-und-beziehung/2638-eine-sichere-bindung-warum-sie-fuer-die-gesunde-kindesentwicklung-so-wichtig-ist

Bei Verständnisfragen zum Inhalt dieses Handouts, kommen Sie gerne auf mich zu =)

Claire